Der Weg zum Mediziner - Ärztin/Arzt

Es gibt etliche Gründe, warum jemand Arzt, Zahnarzt oder ähnliches werden möchte. Dazu zählen vor allem moralische/ethische Motivation, hohes Einkommen oder der soziale Status eines Arztes in der Gesellschaft.

In Österreich ist die Matura (Deutschland: Abitur) oder eine vergleichbare Reifeprüfung zur Anmeldung zum Medizin-Aufnahmetest – MedAT erforderlich. Anschließend haben sich die angehenden Mediziner dem MedAT zu stellen. Dies ist sicherlich die größte Hürde auf dem Weg zur Zulassung zum Medizinstudium.

Der Medizin-Aufnahmetest MedAT

Die beiden Tests MedAT-H für Humanmedizin und MedAT-Z für Zahnmedizin werden etwas unterschieden. Bei beiden Tests können beliebig viele TeilnehmerInnen antreten. Der Test kann auch beliebig oft wiederholt werden. Der MedAT findet jährlich in Wien, Graz, Linz und Innsbruck statt. Die Anmeldung kostet EUR 110,00 je Antritt. Der MedAT fordert keine Mindestpunkteanzahl, um für das Medizinstudium zugelassen zu werden. Das hängt ausschließlich von der Anzahl der TestteilnehmerInnen ab.

Zahlen und Daten zum MedAT

Im vergangenen Jahr (2021) gab es 17.823 TestteilnehmerInnen an allen vier Standorten.

In Wien gab es für die 660 Plätze für Humanmedizin 8.044 BewerberInnen und für die 80 Plätze für Zahnmediziner 669 BewerberInnen;

In Innsbruck gab es für die 360 Plätze für Humanmedizin 3.620 BewerberInnen und für die 40 Plätze für Zahnmediziner 331 BewerberInnen;

In Graz gab es für die 336 Plätze für Humanmedizin lediglich 2.759 BewerberInnen und für die 24 Plätze für Zahnmediziner 177 BewerberInnen;

In Linz gab es für die 240 Plätze für Humanmedizin 2.223 BewerberInnen; Keine Zahnmediziner;

Für 2022 wurden folgende Kontingente festgelegt:

Humanmedizin
Zahnmedizin
Gesamt
MedUni Wien
680
80
760
MedUni Innsbruck
370
40
410
MedUni Graz
346
24
370
JKU Linz
310
-
310
Gesamt
1706
144
1850

75 % der Medizin-Studienplätze gehen an Bewerberinnen und Bewerber mit österreichischem Maturitätszeugnis, 20 % an Bewerberinnen und Bewerber aus der EU/EWR Raum und 5 % der begehrten Plätze an Angehörige von Drittstaaten.

Zudem bieten 3 private Universitäten das Studium der Humanmedizin für ca. EUR 12.500,00 pro Semester an.

Die besondere Universitätsreife muss von StudienwerberInnen mit der Staatsangehörigkeit eines EU- oder EWR-Staates und von StudienwerberInnen, denen Österreich aufgrund eines völkerrechtlichen Vertrages dieselben Rechte für den Berufszugang zu gewähren hat wie österreichischen Staatsangehörigen, nicht nachgewiesen werden.

Von den angemeldeten Testteilnehmer erscheinen ca. 80 % dann wirklich zum MedAT.

Ein Studienplatztausch zwischen Wien, Innsbruck, Graz oder Linz nach erfolgreicher Absolvierung des MedAT ist nicht möglich. Es besteht jedoch die Möglichkeit zwischen der Medizinischen Universität Graz und der Medizinischen Fakultät der JKU Linz unter bestimmten Voraussetzungen zu wechseln.

Inhalt des MedAT

Der MedAT wird anhand von schriftlichen Multiple-Choice-Fragen durchgeführt und beinhaltet folgende Themengebiete:

  1. Basiskenntnistest Medizinische Studien (BMS) 40 %
  • 40 Aufgaben: Biologie
  • 24 Aufgaben: Chemie
  • 18 Aufgaben: Physik
  • 12 Aufgaben: Mathematik
  1. Textverständnis (TV) 10 %
    Hier werden die Lesekompetenz und das Verständnis von Texten überprüft.
  1. Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten (KFF) 40 %
    Dieser Testteil beinhaltet die kognitiven Basisfähigkeiten und -fertigkeiten.
  • Figuren zusammensetzen (FZ): Diese Aufgabengruppe misst räumliche Vorstellungsfähigkeit – 15 Aufgaben.
  • Gedächtnis und Merkfähigkeit (GM) (Lernphase): Anhand von Ausweisen haben die TestteilnehmerInnen die Inhalte figuraler, numerischer und verbaler Art 45 min. lang einzuprägen. Man muss sich 7 Fakten pro Ausweis merken: Name, Geburtsdatum, Medikamenteneinnahme, Blutgruppe, Allergien, Ausweisnummer und das Herkunftsland. Insgesamt sind es 8 Ausweise.
  • Zahlenfolgen (ZF): Hier gilt es allgemeine Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, Verbindungen zu verstehen und logische Schlüsse zu ziehen – 10 Aufgaben.
  • Wortflüssigkeit (WF): Bei diesem Testteil sind aus vorgegebenen Buchstaben so schnell wie möglich die geforderten Wörter zu finden – 15 Aufgaben.
  • Gedächtnis und Merkfähigkeit (GM) (Abrufphase): Die zuvor in der Lernphase eingeprägten Inhalte der Ausweise müssen nunmehr wiedererkannt und richtig zugeordnet werden – 25 Fragen.
  • Implikationen erkennen (IMP): Hier sind aus den vorgegebenen Aussagen logische Schlussfolgerungen zu ziehen – 10 Aufgaben.
  1. Sozial-emotionale Kompetenzen (SEK) 10 %
  • Emotionen erkennen (EE): Anhand der Beschreibung von Personen und Situationen haben die TestteilnehmerInnen zu erkennen, was eine bestimmte Person in dieser Situation fühlt – 10 Aufgaben.
  • Soziales Entscheiden (SE): Handlungen bzw. Entscheidungen in sozialen Situationen sind hinsichtlich ihrer Bedeutung zu reihen – 10 Aufgaben.

Unterschiede der Testinhalte beim MedAT für Zahnmedizin

Der Aufnahmetest Zahnmedizin (MedAT-Z) besteht auch aus den 4 Testteilen des MedAT Humanmedizin: BMS, Zahlenfolge, Wortflüssigkeit und Gedächtnis u. Merkfähigkeit.

An die Stelle der Testteile Textverständnis (TV) und Implikationen erkennen (IMP) werden die manuellen Fertigkeiten (MF) Draht biegen und Formen spiegeln überprüft.

Neben dem MedAT muss ggfs. ein Zusatztest in Latein abgelegt werden, wenn die in der Schule erworbenen Kenntnisse nicht ausreichen. Die Zusatzprüfung Latein ist vor Abschluss des ersten Studienabschnittes zu absolvieren.

Die Kenntnisse aus Biologie und Umweltkunde werden beim MedAT im ausreichenden Maß überprüft.

Medizinstudium Österreich – Vorbereitung MedAT

Als oberstes Gebot gilt es, rechtzeitig mit der Vorbereitung zu beginnen. Dabei sind mindestens zwei Monate vor Testtag empfehlenswert. Hilfreich ist es, sich vorab einen Lehrplan zu erstellen. Wer strukturiert, diszipliniert lernt und sich an den Vorbereitungsunterlagen orientiert, hat gute Chancen auf einen Medizinstudienplatz an einer der österreichischen Universitäten.

Besonders gut kann man sich auf den ersten Teil vorbereiten. Naturwissenschaftliche Kenntnisse wurden bereits im Rahmen der schulischen Ausbildung erworben. Nun gilt es diese Kenntnisse mit Kursen und Unterlagen, welche auf den MedAT zugeschnitten sind, zu vertiefen, um diese dann erfolgreich am Testtag abrufen zu können.

Beim Lernen sollte beachtet werden, dass sich die Anzahl der Fragen von Fach zu Fach unterscheidet. Der erste Teil bzw. Basistest beinhaltet 40 Fragen zu biologischen Sachverhalten, 24 Fragen werden zu Chemie und 18 Fragen zu Physik gestellt. Mit 12 Fragen wird das mathematische Verständnis abgefragt.

Die BewerberInnen sollen rechtzeitig mit der Vorbereitung zum MedAT beginnen. Je nachdem wieviel Lernzeit zur Verfügung steht, ist zu empfehlen nach den Weihnachtsfeiertagen zu starten. Ein Lehrplan mit Meilensteinen der Bereiche des MedAT ist vorab zu erstellen. Nur strukturierte, disziplinierte und konzentrierte Aufnahmewillige haben Chancen auf einen der begehrten Medizinstudienplätze an einer der österreichischen Universitäten.

Generell sind die bisherigen Fragen der vergangenen Medizin-Aufnahmetests genau zu studieren und mehrmals durchzuspielen. Diese kombiniert mit Online-Lernplattformen wie z.B. www.aufnahmetests.at bieten eine ausgezeichnete Vorbereitung auf den MedAT.

Bereits beim Lesen und Bearbeiten der Texte im Bereich Textverständnis werden Fertigkeiten erlernt, welche notwendig sind, um den Test zu bestehen.

Der Umgang mit Multiple Choice Fragen ist besonders wichtig. Dies sollte unbedingt von Beginn an Eingang im Lernen finden.

Die Vorbereitung für den kognitiven Teil stellt sich als schwierig dar. Hier gilt es so viel wie möglich verschiedene Beispiele und Fragen zu üben. Dabei kann auch unter Zeitdruck geübt werden. Mit der anschließenden Fehlerstatistik und Analyse können Schwachstellen erkannt werden und der weitere Fokus darauf gelegt werden.

Im Teil zur Prüfung der Sozial-emotionalen Kompetenzen müssen sich die MedAT-TeilnehmerInnen in andere Menschen hineinversetzen. Dabei müssen Gefühle wie Traurigkeit, Glück oder Angst erkannt werden. Die Universität will dabei wahrscheinlich TeilnehmerInnen mit Empathiestörungen herausfiltern, da sozial-emotionale Kompetenzen für den Arztberuf von hoher Relevanz sind.

Termine

Diese Termine sind im Aufnahmeverfahren unbedingt zu beachten:

1. Internet-Anmeldung
01.03. - 31.03.2022
2. Bezahlung der Kostenbeteiligung
01.03. - 31.03.2022
3. Testteilnahme
08.07.2022
4. Testergebnisse
Beginn der KW 32
5. Zulassung
nach Ergebnisfeststellung

Bei der Internet-Anmeldung müssen die BewerberInnen ihre persönlichen Daten, das gewünschte Studium - Humanmedizin oder Zahnmedizin – sowie das Kontingent (nur bei Humanmedizin) und den gewünschten Studienort angeben. Gleichzeitig muss bis spätestens 31.03.2022 auch der Kostenbeitrag von EUR 110,00 bezahlt werden.

Der Testtag

Die reine Testzeit, in welcher die Aufgaben des Medizin-Aufnahmetests von den TeilnehmerInnen bearbeitet werden, beträgt ca. 4–5 Stunden. Aufgrund der großen Anzahl der BewerberInnen gibt es natürlich für den Veranstalter organisatorische Herausforderungen. Es sind alle TeilnehmerInnen zu verifizieren bzw. deren Teilnahmeberechtigung zu prüfen, die Coronaregeln bzw. 2-3 G Nachweise genau anzuschauen, die Plätze einzuteilen, das Austeilen und Einsammeln der Testunterlagen. Es wird deshalb der ganze Tag ausgeschrieben. Es bleibt daher genug Zeit für den MedAt selbst.

Medizinstudium Österreich – Aufbau

Bei der Internet-Anmeldung müssen die BewerberInnen ihre persönlichen Daten, das gewünschte Studium - Humanmedizin oder Zahnmedizin – sowie das Kontingent (nur bei Humanmedizin) und den gewünschten Studienort angeben. Gleichzeitig muss bis spätestens 31.03.2022 auch der Kostenbeitrag von EUR 110,00 bezahlt werden.

Bachelor

Master

Diploma

Der erste Studienabschnitt beinhaltet wissenschaftliche Grundlagen wie Chemie, Physik, Physiologie, Histologie und Anatomie und praktische Studien im Labor. Bereits in diesem Teil werden die erlernten sozialen Kompetenzen direkt an pflegenden Personen angewandt. Studienfächer im ersten Drittel:

Im zweiten Abschnitt werden folgende Fächer gelehrt:

Anschließend folgt das 12-wöchige Pflichtfamulatur (mindestens 8 Wochen davon vor Beginn des 3. Studienabschnitts):

Im 3. und letzten Studienabschnitt werden bis jetzt erlangte Kenntnisse und Fertigkeiten vertieft:

  • Neurologie
  • Psychiatrie
  • Kinder- und Jugendheilkunde
  • Frauenheilkunde
  • Augenheilkunde
  • HNO
  • Notfall- und Intensivmedizin

Nach der Theorie folgt das Klinisch-Praktische-Jahr (KPJ). Die Medizinstudenten werden an Universitätskliniken in Fachbereichen eingesetzt. Mentoren unterstützen sie während der gesamten Praxis.

Am Ende ist eine Abschlussarbeit zu schreiben.

Das Medizinstudium in Österreich sieht zwei Arten von Prüfungen vor: Summative Integrierte Prüfung (SIP) und die Formative Integrierte Prüfung (FIP).

Nach dem 4., 6., 7. und 10. Semester werden jeweils die SIPs geschrieben. Zur Vorbereitung auf die SIPs werden im 3., 5. und 9. Semester die FIPs absolviert.

Das Medizinstudium wir mit dem Titel Dr. med. univ. abgeschlossen.

Weitere Ausbildung nach dem Medizinstudium

Nach Abschluss des Medizinstudiums folgt die Facharztausbildung. Bei der Basisausbildung erlernt man die Patientenaufnahme und -betreuung, Diagnose und Behandlung von Krankheitsbildern etc. Danach muss der/die angehende Mediziner/in mindestens dreiundsechzig Monate (Ausnahme: Sonderfach Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie) in Kliniken, medizinischen Universitäten, Praxen mit Sonderfachgrundausbildung sowie -schwerpunktausbildung gearbeitet werden. Anschließend wird die Facharztprüfung abgelegt.

Als Arzt/Ärztin erstellt man Anamnesen, erhebt Befunde, stellt Diagnosen und vergibt Behandlungen und Therapien.

Weitere Karrieremöglichkeiten nach dem Medizinstudium sind: